Gedanken & Gebete

Freitag, 20. März 2020
Jeden Sonntag stellen die Pfarrpersonen neue «Gedanken & Gebete» online. Die Gemeinschaft im Nach-Denken und im Geist ist möglich, auch wenn die Gottesdienste fehlen. Unter "NEWS" finden Sie ein Archiv der «Gedanken & Gebete», die in den  vergangenen Wochen veröffentlicht wurden.

Gedanken, Palmsonntag, 5. April

Die 25 Kinder der Club 3-Klassen wären zur Melodie des Liedes «Mached Platz, mached Platz» in die Neue Kirche Albisrieden eingezogen, jedes mit Palmwedeln in der Hand …

Am 4. März hatten wir Vorbereitungssitzung. Dass das Abendmahl nicht wie gewohnt ausgeteilt werden kann, wussten wir schon. Dass es aber gar keine Gottesdienste mehr geben wird, nicht. Ich überlegte mir bereits, wie doch noch alle unter hygienischen Bedingungen zu einem Stück Brot und einem Schluck Traubensaft kommen könnten …

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Genauso war es auch zur Zeit von Jesus mit dem Palmsonntag. Davon wollten wir reden im geplanten Gottesdienst mit den Kindern.

Jesus hat es zwar vorausgesagt. Er wusste, dass sein Weg in Jerusalem nicht nach oben auf den Thron führen wird, sondern nach unten hin zum Leiden. Leiden mit den Menschen. Leiden um die Menschen und darin zeigen, dass Gott nicht nur Mitleid hat mit uns, sondern mit uns leidet.

Gott weiss, dass das Leben auf Erden kein Spaziergang ist. «S’Läbe isch kein Ponyhof», pflegten meine drei erwachsenen Kinder zu sagen, als sie noch zu Hause wohnten und mal wieder irgendwo herausgefordert oder überfordert waren.

Im Moment ist das Leben für uns alle eine gewaltige Heraus-forderung, und wir wissen noch nicht, wohin das führen wird. In solchen Zeiten sind mir die Erzählungen rund um Palmsonntag und Ostern ein grosser Trost. Denn immer, auch in der schwärzesten Stunde, schimmert etwas vom Himmel durch.

Sogar in diesen schicksalshaften Ankündigungen von Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem, war bereits ein Lichtblick erkennbar. Drei Mal machte er die Ankündigung: «Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten und Hohen Priestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet werden, und am dritten Tag muss er auferweckt werden» (Markus 8,31; 9,31; 10,33). Nicht nur das Leiden – auch die Auferweckung wird angekündigt.

Das ist ein Grundmuster, das die biblischen Schriften durchzieht. Es durchdringt darüber hinaus das ganze Leben: Nach der Dunkelheit das Licht. Nach dem Winter der Frühling. Nach der Nacht der Morgen. Wenn wir dieses Grundmuster verstehen, mehr noch: Wenn wir uns diesem anvertrauen, werden wir nie ohne Hoffnung sein. So kann man sogar sagen: Nach dem Tod das Leben.

Die Passionszeit – diese sechs Wochen vor Ostern, in denen wir uns daran erinnern, dass Gott mit uns leidet, dass auch die Schöpfung leidet, dass ausgebeutete Menschen leiden und wir mit Brot-für-alle- Aktionen dieses Leid ein wenig zu lindern suchen. Diese Zeit wäre unerträglich ohne das Wissen: Ostern wird kommen. Das Fest der Auferstehung. Das Aufatmen. Der Schoggi-Hase.

Zum Glück ist der Mensch mit der Fähigkeit zu hoffen ausgestattet. Sonst könnten wir auch die derzeitigen Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit kaum ertragen. Wir sind solidarisch, wir tragen Sorge zu einander, wir halten Abstand. Und wir vertrauen darauf: Die Krise wird ein Ende haben. Wir helfen mit. Wir halten zusammen. Wir werden das durchstehen.

Wenn man das Neue Testament zu Ende liest bis zur Offenbarung, wird einem eines deutlich: Gott hält auch zu uns, «dur all Böde dure». Es mag vieles unverständlich bleiben. Aber eines ist uns zugesagt, sogar unabhängig davon, ob wir es glauben können oder nicht: Gott steht die Geschichte der Menschheit mit uns durch – bis zum Schluss. «Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende», das waren die letzten Worte von Jesus hier auf Erden. 

Pfarrer Felix Schmid

                      

 

 

 

 

 

 

 

Gebet

Wir gehen mit Dir, Jesus, durch Palmsonntag und Karwoche Ostern entgegen. Danke, dass du auch mit uns gehst durch die Höhen und Tiefen unseres Lebens.

Danke, dass wir vertrauen dürfen: Am Ende wird dein Morgen sein, der nie mehr hinsinken wird in neue Nacht.

Amen

Morgen

Egal wie, du kommst.
Ob früh oder spät,
neblig, klar, nass oder kalt.
Unaufhaltsam ist es,
dein Kommen.

Und deine Boten schickst du dir voraus.
Damit es uns dämmert.
Damit es uns singt.

Morgen, Morgen,
Zeuge bist du auch von jenem Erwachen,
als alles sprang.
Das war sein Morgen am dritten Tag.
Ward unser Morgen,
weil er ihn mit allen geteilt.

Ja, dämmern soll es uns.
Das Aufwachen hat begonnen.
Hin zum letzten Morgen,
dessen Stern uns bereits erschienen.

Felix Schmid, 5. Juli 2016