Gedanken & Gebete

Freitag, 20. März 2020
Jeden Sonntag stellen die Pfarrpersonen neue «Gedanken & Gebete» online. Die Gemeinschaft im Nach-Denken und im Geist ist möglich, auch wenn die Gottesdienste fehlen. Unter "NEWS" finden Sie ein Archiv der «Gedanken & Gebete», die in den  vergangenen Wochen veröffentlicht wurden.

Gedanken, Kalenderwoche 28

Weiterstolpern …

Im TV-Gottesdienst vom 17. Mai war ein zentraler Satz meiner kurzen Predigt ein Zitat der französischen Mystikerin Thérese von Lisieux: «Stolpert einfach weiter. Vertraut Gott und liebt.» Nach dieser TV-Predigt habe ich diverse Echos erhalten, und es wurde insbesondere auf das Wort «Stolpern» Bezug genommen. «Ja, stolpern wir doch einfach weiter!», schrieb mir jemand. So entstand die Idee, das Thema im ImPuls-Gottesdienst vom 21. Juni nochmals aufzunehmen.

Und nun überlegte ich mir ernsthaft, ob ich dieses Thema nochmals aufgreifen darf für diesen Versand von «Gedanken & Gebete». Ich kam zum Schluss: Ja, doch! Denn «Weiterstolpern» ist etwas, was man nicht von heute auf morgen lernt. Das ist ein Lebensprojekt. Der markante Satz von Thérese von Lisieux begleitet mich schon etwa 9 Jahre, und ich denke immer wieder darüber nach. Ein solcher Satz wirkt für mich wie ein Spazierstock oder vielleicht gar ein Rollator. Ich kann mich daran halten, wenn ich mal wieder spüre, dass meine Schritte unsicher werden.

Verunsicherungen sind eine Realität und auch die «ganz grossen Lichter» der Bibel waren nicht davor gefeit; beispielsweise Johannes der Täufer. Er wurde ins Gefängnis geworfen, weil er es gewagt hatte, den Herrscher Herodes zu kritisieren. In dieser misslichen Lage kam er ins Grübeln. Bis er schliesslich Boten zu Jesus sendet mit der Frage, ob er nun wirklich der Messias sei, oder ob man auf einen anderen warten müsse. Lukas 7,20: Als nun die Männer zu Jesus kamen, sagten sie: Johannes der Täufer schickt uns zu dir und lässt fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? Ist es nicht erstaunlich, dass dieser Johannes derart am Stolpern ist? Schliesslich hat er nur etwa zwei Jahre zuvor diese gewaltige Umkehrbewegung angeführt, hat Tausende getauft am Jordan und war der grosse Wegbereiter für Jesus und dessen Auftrag hier auf Erden.

Ich glaube, wir alle haben das schon erlebt. Da stellt man plötzlich alles in Frage und überlegt sich, was eigentlich noch die Bedeutung des Christentums sei und die Gültigkeit der Bibel. Man kann da schon ins Fragen kommen. Die Glaubwürdigkeit der Kirchen bröckelt. In unserem Kirchenkreis flattern Woche für Woche die Austrittsschreiben in den Briefkasten des Sekretariats. «Jesus, bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?»

Ist es nicht überaus tröstlich, dass wir mit solchem Fragen in bester Gesellschaft sind? Dass auch ein «Gottesmann», wie Johannes, das Stolpern kennt. Die Frage des Johannes damals war weitgehend eine politische Frage. Er hat zwar Jesus den Weg bereitet. Aber er hat nicht gewusst, dass Jesus einen anderen Weg geht. Nicht den Weg der politischen Machtergreifung. Sondern den Weg der persönlichen Herzensergreifung. Menschen, die sich an ihm orientierten und auf ihn hörten, wurden verändert bis in ihr Innerstes.

Das ist bis heute die Realität. Die Jesusbewegung ist eine Bewegung der Herzen. Und jedem Menschen auf Erden ist es freigestellt, sich dieser Bewegung anzuschliessen. Obwohl auf den Bühnen dieser Welt häufig nicht der sanftmütige Geist Christi, sondern anderes regiert. Obwohl Mächtige rund um den Globus die innerste Botschaft von Jesus; diese Botschaft der Demut, der Barmherzigkeit und Versöhnung verraten und oft sogar bekämpft haben, hat sie sich dennoch weiter ausgebreitet.

Jesus kam ganz unten in diese Welt – in ärmlichen Verhältnissen. Deshalb ist es auch so, dass sein Werk, sein Geist ganz besonders bei denen wirkt, die sich ihrer Hilfsbedürftigkeit und ihres Stolperns bewusst sind. Und doch ist sein Reich mächtiger als alle Reiche dieser Welt. Denn es ist das Reich des Friedens, der Wahrheit und der Gerechtigkeit.

Pfarrer Felix Schmid

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gebet

Manchmal – manchmal nicht…

Manchmal kennen wir Gottes Willen,
manchmal kennen wir nichts.
Erleuchte uns, Herr,
wenn die Fragen kommen.

Manchmal sehen wir Gottes Zukunft,
manchmal sehen wir nichts.
Bewahre uns, Herr,
wenn die Zweifel kommen.

Manchmal spüren wir Gottes Liebe,
manchmal spüren wir nichts.
Begleite uns, Herr,
wenn die Ängste kommen.

Manchmal wirken wir Gottes Frieden,
manchmal wirken wir nichts.
Erwecke uns, Herr,
dass dein Friede kommt.

Amen

Ref. Gesangsbuch, Nr. 832; Text von Kurt Marti 1965 (1-3) und Armin Juhre 1966 (4)