Gedanken & Gebete

Freitag, 20. März 2020
Jeden Sonntag stellen die Pfarrpersonen neue «Gedanken & Gebete» online. Die Gemeinschaft im Nach-Denken und im Geist ist möglich, auch wenn die Gottesdienste fehlen. Unter "NEWS" finden Sie ein Archiv der «Gedanken & Gebete», die in den  vergangenen Wochen veröffentlicht wurden.

Gedanken zu Auffahrt, 21. Mai und Sonntag, 24. Mai 

Wieder ein Feiertag, den wir nicht in Gemeinschaft feiern können. Fast könnte man schon sagen, wir haben langsam Übung darin.

Wir schreiben 40 Tage nach Ostern und feiern diese Woche Auffahrt, oder Himmelfahrt, wie man auch sagt. Es ist der Tag, an dem der Auferstandene, der Wiedergewonnene, sich erneut verabschiedet. Jesus wird von einer Wolke aufgenommen, wie es in der Apostelgeschichte (1,9) heisst.

Nicht wenigen seiner Jüngerinnen und Jünger ist es schon schwer gefallen, an die Auferstehung zu «glauben». Und nun kommt bereits die nächste Herausforderung und damit gleich das erneute Abschiednehmen von dem, der eigentlich immer bleiben sollte.

Für mich hat Auffahrt viel mit der Erfahrung alleine zu sein, zu tun. Natürlich, wir dürfen glauben, dass Gott immer bei uns ist und unser Lebensweg immer in seinem Licht liegt. Gerade dieser Glaube gibt mir oft, auch in dieser Zeit, Kraft. Aber den Menschen damals kann ich es nicht verübeln, dass sie an dieser unbedingten Nähe vielleicht gezweifelt haben. Es ist ein starkes Bild, wenn der Sohn Gottes, der Christus, sich von dieser Welt entfernt und sich in den Himmel verabschiedet. Im wörtlichen Sinne, mittels einer Wolke, scheint er den Himmel der Erde vorzuziehen. Darum ist es nicht zu verurteilen, dass nicht alle sofort denken: Toll, jetzt sind wir also selber gefragt und müssen ohne unseren Wegführer sehen, wie wir nach dem Reich Gottes streben können.

Kein Wunder, dass die Menschen den Blick heben und sich vielleicht fragen, was dieser Himmel ist, dass er einen wie Jesus Christus fassen kann. Aber lange Zeit wurde das «in die Luft gucken» nicht geduldet. Zwei Männer traten auf und sprachen: «Ihr Leute aus Galiläa, was steht ihr da und schaut hinauf zum Himmel?»

Und vielleicht dachten sie: Die Menschen suchen Gott in dem, was fern ist. Sie malen sich gerne aus, dass im Himmel alles besser ist als hier und es darum nur logisch ist, dass Jesus sich verabschiedet hat.

Vermutlich hätte den beiden Männern diese Aussage gefallen: Nicht, wo der Himmel ist, ist Gott – sondern, wo Gott ist, ist der Himmel. So lautet eine Weisheit, die fast immer zu Auffahrt zu hören ist. Man könnte sagen, zu Auffahrt werden wir dazu eingeladen, unsere Brille zu putzen, die Augen zusammen zu kneifen und uns zu öffnen für das, was vor unserer Nase liegt. Das Gute im Kleinen zu finden, die Nähe Gottes zu spüren, auch wenn die Dinge nicht einfach sind – all das gehört zu unseren Aufgaben.

Gerade in dieser Zeit kann es uns gut tun, wenn wir seine Spuren auf der Erde, in unserem Leben und auf unserem Weg finden. Wir schauen auf das, was in unserer Reichweite liegt. Wir rechnen mit dem Göttlichen im Alltag, hinter der nächsten Ecke und in den kleinen Dingen. Bei Amos (5,4) heisst es ganz treffend: «Suchet mich, so werdet ihr leben!» Nicht das Finden von dem, was wir uns in den Kopf gesetzt haben, ist das Ziel. Vielmehr wird durch ihn unsere Suche zum Weg und Ziel des Lebens.

Zu Auffahrt können wir nicht miteinander Gottesdienst feiern. Aber wir können mit offenen Augen und Herzen durch diese Welt gehen.

Machen Sie einen Spaziergang, schauen Sie sich um. Lassen Sie den Himmel über sich wirken. Geniessen Sie den Duft der Erde unter Ihnen. Freuen Sie sich an den verschiedenen Menschen, die unsere Welt farbig und herzlich machen. Und freuen Sie sich an der Botschaft, die dieser Feiertag uns bringt.

Auffahrt hilft uns zu verstehen: Der Himmel ist auch hier.

Pfarrerin Muriel Koch


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gebet

Gott, du bist weit weg und doch an meiner Seite.
Ich blicke zum Himmel.
Ich suche dich.
Meine Gedanken ziehen fort, an den vermuteten Ort,
an dem die Dinge gut sind.
Aber Du, Gott, senkst meinen Blick.
Lenkst meinen Blick da hin, wo ich schon bin.
Und da finde ich dich.
Im Gegenüber. Im Kleinen. Im Alltag.
Im Einfachen. Im Unscheinbaren.
Gott, ich danke dir, dass du mir hilfst,
den Reichtum im Leben zu sehen.
Ich danke dir, dass du mich erinnerst,
dass ich mein Herz öffnen muss,
wenn ich dort empfangen will.
Ich danke dir, dass du mich suchst.
Dort, wo ich bin.

Amen